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Weitere alarmierende Studienergebnisse zu Hormonersatztherapie und Brustkrebs: WHC fordert sachliche Aufklärung der Patientinnen

Die Ergebnisse der britischen "One Million Women Studie", die kürzlich im Lancet veröffentlicht wurden, sind alarmierend. Die weltweit grö&szligte Studie zur Assoziation der Hormonersatztherapie mit dem Brustkrebs hat gezeigt, dass die kombinierte HRT mit Östrogenen und Gestagenen das Risiko, an einem Brustkrebs zu erkranken, nach zehnjähriger Anwendung verdoppelt.
Es ist hervorzuheben, dass in der britischen Studie verschiedene Formen der Hormontherapie eingesetzt wurden, wie sie auch in Deutschland verwendet werden. Dies widerlegt eindeutig bisherige Beschwichtigungsversuche, dass das Brustkrebsrisiko ausschließlich durch die Kombination konjugierter Östrogene und dem Gestagen Medroxyprogesteronacetat erhöht wird. Diese Kombination wird vorwiegend in den USA eingesetzt und war in der WHI-Studie für den signifikanten Anstieg des Brustkrebsrisikos verantwortlich.
 
Bei zehnjähriger Anwendung traten in der britischen Studie unter den verschiedenen Östrogen-Gestagen-Kombinationen 19 zusätzliche Karzinome pro 1000 Anwenderinnen auf. Das Brustkrebsrisiko war ebenfalls, wenn auch geringfügiger, unter Östrogenmonotherapie erhöht. Nach 10 Jahren Anwendung führte die alleinige Anwendung von Östrogen zu 5 zusätzlichen Fällen von Brustkrebs. Auch die Anwendung von Tibolon steigerte das Brustkrebsrisiko, allerdings spielte es, absolut gesehen, eine geringere Rolle, da es seltener eingesetzt wurde als eine Östrogen-Gestagen-Therapie oder eine Östrogenmonotherapie.
 
Das bedeutet, dass in den letzten zehn Jahren bei den 50- bis 64-jährigen Frauen rund 20.000 Fälle von Brustkrebs auf das Konto der HRT gingen, davon rund 15.000 auf das der Östrogen-Gestagen-Kombinations-Therapie.
 
In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 43.000 Frauen neu an Brustkrebs, etwa 18.000 sterben daran. Es kann also davon ausgegangen werden, dass die HRT in den letzten Jahren vielen Frauen das Leben gekostet hat, auch wenn die Todesfälle aufgrund fehlender Daten nicht zuverlässig geschätzt werden können.
 
Frauen, die 5 Jahre vor der Rekrutierung eine Hormonersatztherapie beendet hatten, zeigten kein erhöhtes Brustkrebsrisiko.
 
Im begleitenden Editorial-Kommentar der gleichen Ausgabe von Lancet wird gefordert, die Hormonersatztherapie strikt einzuschränken. Die Kommentatoren fordern eine öffentliche Kampagne unter Leitung einer kompetenten ärztlichen Fachgesellschaft.
 
In einer Presseerklärung der DGGG betonte Prof. Olaf Ortmann, Regensburg, dass diese Daten keine Überreaktion oder Panik auslösen sollten, jedoch darauf zu achten ist, dass die Hormonersatztherapie nur bei entsprechender Indikation eingesetzt wird. Dazu verwies er auf die Konsensusempfehlungen zur Hormontherapie in der Postmenopause und im Klimakterium, die im Auftrag der DGGG erstellt wurden und auf der Homepage der WHC zu finden sind.
 
Die WHC sieht es als eine Verpflichtung der Frauenärzte an, ihre Patientinnen sachlich über das erhöhte Brustkrebsrisiko unter HRT zu informieren und über das Für und Wider einer Hormonersatztherapie im Einzelfall zu diskutieren. Der Berufsverband der Frauenärzte wird zu einer klaren Stellungnahme aufgefordert.
Quellen: Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) vom 13. August 2003 Breast Cancer and hormone replacement in the One Million Women Study, Lancet, 2003, 362: 419-27 Chlebowski RT et al.: Influence of estrogen plus progestin on breast cancer and mammography in healthy postmenopausal women: the Women's Health Initiative Randomized Trial. JAMA. 2003 Jun 25;289(24):3243-53.